Am 16. und 17. Juni 2026 fand während der Bundesbildungskonferenz 2026 in Berlin ein bundesweiter Austausch zu aktuellen Herausforderungen und Zukunftsfragen der Bildung statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um zentrale Themen der Bildungsförderung und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu diskutieren. Wir waren dabei.
Im Mittelpunkt standen insbesondere Fragen der Chancengerechtigkeit, die Wirksamkeitsmessung der Angebote sowie der Weiterentwicklung regionaler Bildungsnetzwerke. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltige Bildungsentwicklung zunehmend dort entsteht, wo Zusammenarbeit über Institutionen- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg gelingt.
Besonders anregend war der Vortrag von Frau Professor Kerstin Schneider, Bildungsökonomin von dem RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Bergische Universität Wuppertal, mit dem Titel: Bildungsgerechtigkeit vor Ort: Klug investieren – später sparen?
Frau Prof. Schneider hat anhand einigen Kernthemen der Bildungsgerechtigkeit wie Inklusion, Ganztagsbetreuung, Integrierte Schulentwicklungsplanung und Bedarfsgerechte Finanzierung aufgezeigt, dass Investitionen aus dem Bildungsbereich leicht zu Fehlinvestitionen werden können, wenn die Erwartungen idealisiert und die Ergebnisse nicht evaluiert werden. „Wir haben ein ökonomisches Problem, nicht ein Finanzierungsproblem“- betonte Prof. Schneider.
Die Professorin hat zu hinterfragen gängiger Leitsätze aus dem Bildungsbereich wie z.B. „Wir brauchen mehr Integrationsangebote“ angeregt. Die bildungsökonomischen Analysen zeigen, dass wir in Deutschland genug Angebote haben, die Bildungsgerechtigkeit fördern. Nachweislich werden ausreichend finanzielle Mitteln in die Handlungsbereiche investiert. Es gibt jedoch eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. „Ein Angebot ist nur dann wirksam, wenn es auch angenommen wird“- sagt sie und betont, dass wir in Deutschland eine gute, valide Datenbasis der Angebote brauchen wie auch Kompetenzmessungen. Wir sollten uns der Frage stellen, was unsere Bildungsangebote wirklich bewirkten. Evidenzbasiert. Die Bereitstellung der Angebote kostet sehr viel Geld für das Land. Diese Bereitstellungskosten fehlen dann der grundlegenden Strukturförderung.
Die Verteilung der Bundesmittel für den Bildungsbereich müsste neu überlegt werden: „In Deutschland müssen wir auch darüber nachdenken, dass wir auch Spitzenleister brauchen… Wir müssen es lernen, wieder ein Wissensgesellschaft zu werden.“ Hier deutete die Professorin auf die abnehmenden Bildungsergebnisse der Schülerinnen und Schüler hin, wie sie aus den veröffentlichten Bildungsberichten und internationalen Studien wie der Pisa-Studie hervorgehen.
Für den Odenwaldkreis ergeben sich aus den Erkenntnissen der Bildungskonferenz mehrere interessante Impulse. Die Stärkung lokaler Bildungslandschaften, der gezielte Ausbau von Kooperationen zwischen Schulen und non-formalen Bildungsakteuren und die Einbindung außerschulischen Lernorten wurden als zentrale Erfolgsfaktoren für die Bildung hervorgehoben. Ebenso wurde betont, wie wichtig verlässliche Strukturen und Netzwerke für den Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer zwischen den Regionen sind.
Eine positive Erkenntnis war, dass der Odenwaldkreis zu den bundesweit wenigen Kommunen gehört, die bereits ein Bildungsportal veröffentlicht haben. Unser Bildungsportal erfüllt alle vom BMBFSFJ gestellten Anforderungen und dient zu besseren Sichtbarkeit der Angebote in der Bildungslandschaft des Odenwaldkreises.
Gerne möchten wir die in Berlin gewonnenen Eindrücke und Anregungen in die regionale Arbeit einbringen und gemeinsam mit relevanten Bildungsakteuren prüfen, welche Ansätze für den Odenwaldkreis besonders anschlussfähig sind. Ziel ist es, die bestehenden Bildungsinitiativen weiter zu stärken und neue Entwicklungsräume durch Kooperationen zu eröffnen.
Dr. Ilona Agoston, Bildungsmanagement